Aktuell: Kantamanto

Aktuell: Kantamanto

Secondhand boomt – und das ist erstmal eine sehr gute Nachricht. Immer mehr Menschen kaufen gebraucht, geben Kleidung ein zweites Leben und entdecken wieder, was Qualität bedeutet. Secondhand ist längst ein zentraler Teil einer nachhaltigeren Modekultur.

Aber der globale Secondhand-Markt hat auch eine Kehrseite. Besonders sichtbar wird sie in Kantamanto in Accra, einem der größten Secondhand-Märkte der Welt. Ein Ort voller Können, Kreativität und echter Reparaturkultur – und gleichzeitig ein Brennpunkt der Folgen unseres Überkonsums.

Die aktuelle Greenpeace-/Unearthed-Recherche vom Juni 2025 zeigt deutlich, wie viel untragbare Kleidung aus Europa und den USA in Ghana ankommt. Ein großer Teil der exportierten Ware ist beschädigt, minderwertig oder schlicht nicht verkäuflich. Was hierzulande als Secondhand abgegeben wird, entpuppt sich dort häufig als Abfall. Die Recherche belegt sogar, dass Textilreste in geschützten Feuchtgebieten landen – mit massiven Folgen für Natur und Menschen.

Für uns wird damit einmal mehr klar: Secondhand ist nicht das Problem. Das Problem ist die Menge dahinter. Secondhand bleibt nur dann nachhaltig, wenn es nicht zur bequemen Entsorgungslösung einer überproduzierenden Industrie wird. Bewusster zu konsumieren ist deshalb kein moralischer Appell, sondern ein notwendiger Schritt.

Wir sind bei kleiderhelden gerade mitten im Neustart. Und ja, ein Neustart bedeutet auch neue Produkte. Damit sind wir automatisch Teil eines Systems, das am Ende eben auch in Kantamanto sichtbar wird. Genau deshalb sind unsere vier Ankerpunkte so wichtig: Bio, Fair, Bequem und Langlebig. Und als kleinen Reminder – auch an uns selbst – steht in unseren neuen Shirts: „Weniger ist mehr.“ Kauft unsere Teile also bitte nur, wenn ihr sie wirklich braucht.

Aus dieser Situation ziehen wir für uns einige klare Schlüsse:

– Secondhand bleibt wichtig, braucht aber verbindliche Regeln und Qualitätsstandards.
– Wir brauchen groß skalierte Textilrecycling-Lösungen, die Materialien wirklich im Kreislauf halten.
– Wir müssen ein System entwickeln, um gebrauchte kleiderhelden-Produkte zurückzunehmen und sinnvoll weiterzunutzen. Vielleicht kombiniert mit einem Rückkaufbonus? Wir sind dran.
– Unperfekte Produkte sind wertvoll und gehören nicht in den Müll, sondern in funktionierende Kreisläufe. Schaut in unseren kleinen Unperfekt Shop.
– Je langlebiger unsere Produkte sind, desto weniger werden alte Kollektionen irgendwann zum Problem.
– Produzentenverantwortung über den gesamten Lebenszyklus ist unbedingt notwendig.

Unser Fazit: Weniger ist mehr – in vieler Hinsicht. Kantamanto zeigt uns, dass globale Fairness nur funktioniert, wenn wir unseren Überfluss nicht einfach weiterreichen. Der Secondhand-Boom ist ein Fortschritt. Doch er funktioniert nur dann für alle, wenn wir die Strukturen dahinter mitdenken und verändern.

Quelle:
The Guardian, basierend auf Greenpeace-/Unearthed-Recherche (Juni 2025):
https://www.theguardian.com/world/2025/jun/18/discarded-clothes-from-uk-brands-dumped-in-protected-ghana-wetlands